Website mit KI erstellen? Vor- und Nachteile
Eine Website in wenigen Stunden? KI macht es möglich. Doch viele der automatisch generierten Websites sehen sich erstaunlich ähnlich. Dabei geht es bei einer guten Unternehmenswebsite um weit mehr als Design und Technik: Sie sollte die Werte, die Haltung und die Besonderheiten eines Unternehmens sichtbar machen. Warum sich gerade jetzt ein genauerer Blick lohnt.
Das Wichtigste in Kürze
- KI kann Websites schnell und kostengünstig erstellen. Entscheidend ist aber nicht die technische Umsetzung, sondern was eine Website über das Unternehmen erzählt. Ohne klare Positionierung, Verständnis für die Zielgruppe und gestalterisches Urteilsvermögen entsteht schnell ein austauschbarer Auftritt. KI ist ein wertvolles Werkzeug – das Denken und Entscheiden sollte sie uns nicht abnehmen.
Die Homogenisierung des Webs
Wer derzeit auf LinkedIn in der Marketing-Bubble unterwegs ist, kennt das Spiel: „Professionelle Website in zehn Minuten!“ Dazu ein Video, ein paar Screenshots und der passende Prompt zum Nachbauen. Tatsächlich entstehen längst ganze Unternehmenswebsites mit KI. Viele sehen auf den ersten Blick gut aus. Und auffällig viele sehen sich ähnlich.
Uns beschäftigt daran weniger, dass KI Websites erstellen kann. Das ist inzwischen offensichtlich. Interessanter ist die Frage: Warum ist plötzlich die Geschwindigkeit das wichtigste Verkaufsargument?
Hauptsache schnell?
KI-Tools entwickeln Layouts, schreiben Texte, generieren Bilder und programmieren Funktionen. Das spart Zeit und senkt die Einstiegshürde. Für eine einfache digitale Visitenkarte, eine Veranstaltung oder den Test einer Geschäftsidee kann das genau richtig sein. Nicht jede kleine Firma braucht einen aufwendigen Entwicklungsprozess.
Aber eine Website ist nicht deshalb gut, weil sie in wenigen Minuten entstanden ist. Besucher interessiert nicht, wie schnell ein Anbieter auf „Generieren“ geklickt hat. Sie wollen verstehen, was ein Unternehmen anbietet, ob sie ihm vertrauen können und wie es ihr Problem löst.
Warum sieht so vieles gleich aus?
Headlines aus zwei verschiedenen Schriften, abgerundete Kacheln, schwebende Elemente, austauschbare Bilder: Viele KI-Websites sind inzwischen an ihrer Ästhetik zu erkennen. Natürlich ist das kein zuverlässiger Herkunftsnachweis. Auch Templates haben das Web längst vereinheitlicht. KI macht es nur noch einfacher, bekannte Muster immer wieder neu zu kombinieren.
Das Ergebnis wirkt auf viele Menschen zunächst professionell (Stichwort Eye Candy). Aber wofür steht das Unternehmen dahinter? Bei vielen Seiten könnte man das Logo austauschen, ohne dass jemand den Unterschied bemerkt.
Gerade für einen Mittelständler, der über Jahrzehnte einen guten Ruf aufgebaut hat, ist das verschenktes Potenzial. Seine Stärken liegen vielleicht in ungewöhnlicher Beratung, spezialisierten Produkten oder Menschen, die seit Jahren Lösungen finden, wo andere aufgeben. Auf der Website steht dann trotzdem: „Innovative Lösungen für höchste Ansprüche.“
Was im Prompt fehlt: die Auseinandersetzung
Das eigentliche Problem ist nicht die KI, sondern die fehlende Beratung davor. Was unterscheidet das Unternehmen wirklich? Welche Kunden will es erreichen? Was müssen diese verstehen, bevor sie anfragen? Und ist die bisherige Darstellung überhaupt noch richtig?
Solche Fragen verlangen Gespräche, Recherche, Widerspruch und manchmal unbequeme Entscheidungen. Ein guter externer Blick erkennt Dinge, die intern längst selbstverständlich geworden sind. KI kann dabei helfen, Fragen zu formulieren und Erkenntnisse zu strukturieren. Sie kann aber aus oberflächlichen Angaben keine belastbare Positionierung zaubern.
Manchmal lautet die sinnvollste Empfehlung übrigens nicht „neue Website“, sondern „bestehende Website verbessern“: Navigation vereinfachen, Inhalte schärfen, Nutzerführung korrigieren. Auch das kommt selten aus einem Prompt, der von Anfang an eine fertige Website bestellt.
Und selbst wenn das Design überzeugt, bleiben praktische Fragen: Ist die Website barrierearm nutzbar? Werden Datenschutz und Cookie-Einwilligungen sauber umgesetzt? Lädt sie auf Mobilgeräten schnell? Ist sie bei Google auffindbar, und lässt sie sich später erweitern? KI kann Lösungen vorschlagen. Ob diese funktionieren, muss jemand prüfen.
Je automatisierter, desto eigenständiger?
Spannend ist die Gegenbewegung im Design. Während digitale Oberflächen immer glatter und ähnlicher werden, setzen manche Marken bewusst auf eigenständige Typografie, echte Fotografie, ungewöhnliche Layouts oder handgemachte Elemente. Nicht weil analog automatisch besser wäre. Sondern weil Wiedererkennbarkeit einen Wert hat.
Wir beobachten gerade bei qualitätsbewussten Unternehmen, dass sie auch ihre Kommunikation ernst nehmen. Wer in gute Produkte, langjährige Kundenbeziehungen und seine Mitarbeiter investiert, möchte oft nicht wie jeder beliebige Wettbewerber aussehen. Gibt es da einen Zusammenhang zwischen Wertschätzung und Gestaltung? Einen zwingenden sicher nicht. Aber wer viel Sorgfalt in seine Arbeit legt, will diesen Anspruch häufig auch nach außen sichtbar machen.
Das heißt nicht, dass der Einsatz von KI mangelnde Wertschätzung bedeutet. Im Gegenteil: Automatisierung kann Menschen von Routinearbeit entlasten. Entscheidend ist, wo wir automatisieren und wo wir uns bewusst Zeit für individuelle Lösungen nehmen.
Wir nutzen KI. Jeden Tag.
Auch bei IM NEULAND gehört KI längst zum Arbeitsalltag: für Recherche, die Erweiterung erster Ideen, Wireframes und Experimente. Ebenso für technische Aufgaben – etwa um ein Cookie-Consent-Tool zu optimieren oder Ansätze für bessere Ladezeiten und PageSpeed-Werte zu prüfen.
Das macht uns schneller. Aber die Vorschläge sind nicht automatisch richtig. Jemand muss sie verstehen, testen und bewerten: Passt die Idee zur Marke? Verbessert die Änderung wirklich die Nutzererfahrung? Löst der Code das Problem oder erzeugt er das nächste?
Manchmal sagen wir zur KI sinngemäß: „Ja, gute Richtung, mach weiter.“ Manchmal korrigieren wir. Und manchmal stoppen wir den Prozess, weil wir merken, dass wir gerade das falsche Problem lösen.
Fazit: Die Technik ist nicht die entscheidende Frage
Eine Website technisch zu erstellen, wird zunehmend einfacher. Und das ist gut so. Aber vielleicht beschäftigen wir uns gerade etwas zu sehr damit, wie schnell und mit welchen Werkzeugen das möglich ist.
Viel wichtiger ist doch, was wir anschließend veröffentlichen. Welche Geschichte erzählen wir über unser Unternehmen? Welche Haltung vermitteln wir? Passen Gestaltung, Sprache und Inhalte zu unseren Werten, unserem Qualitätsanspruch und zu den Menschen, die wir erreichen möchten?
Denn eine Website ist immer auch ein öffentliches Bild dessen, wie ein Unternehmen sich selbst sieht. Oder zumindest gesehen werden möchte.
Vielleicht sollten wir also weniger darüber staunen, wie schnell KI eine Website erstellt – und uns wieder mehr Gedanken darüber machen, was diese Website eigentlich über uns erzählt.